Devotionalien

 

Unter dieser Rubrik stellen wir Euch einige schöne, rare und originelle Sammelstücke aus dem Arbeitersport vor. 

Zunächst zwei Biergläser mit Emaillemalerei: Das Glas links trägt das bis 1926 gebräuchliche Wappen des TV Fichte Berlin. Es bestand aus dem "klassischen" Turnerkreuz mit den vier F ("Frisch, fromm, fröhlich, frei") sowie einem fünften F für "Fichte". Das darunter stehende "Frei heil" war der Gruß der Arbeitersportler im AT(S)B von 1899 bis 1933.

Der Bierkrug rechts trägt keinen Vereinsnamen, grüßt aber ebenfalls mit "Frei Heil!" Das Turnerkreuz prangt hier auf einem Schild an einer schwarz-weiß-roten Schnur. Da 1907 das Arbeiter-Turnerkreuz eingeführt wurde, sind beide Gläser also auf 1899 bis 1907 zu datieren.

 

Das nächste Schaustück dürfte auch noch aus dem 2. Deutschen Kaiserreich stammen: Eine Platte aus poliertem Schiefer mit eingearbeitetem Fichte-Emblem, an dem noch die Reste einstiger Vergoldung schimmern. Vermutlich diente sie als Briefbeschwerer, vielleicht sogar in der Fichte-Geschäftsleitung. 

Die offiziellen Verbands-Nadel, wie sie 1907 auf dem VIII. Bundestag des Arbeiter-Turnerbundes eingeführt wurde: Der Schild in der Farbe der Arbeiterbewegung trägt nun das Arbeiter-Turnerkreuz, die Goldbuchstaben FFST stehen für "Frisch Frei Stark Treu". Das S, hervorgehoben durch seine Größe und zentrale Lage, symbolisierte inoffiziell auch das Gesellschaftsziel der sozialdemokratischen Arbeitersportler, den Sozialismus.

Da der ATB sich zu Pfingsten 1919 in Arbeiter-Turn- und Sportbund umbenannte und das Emblem entsprechend aktualisierte, wurde die (vergrößert) abgebildete Nadel also zwischen 1907 und 1919 gefertigt, vermutlich aber noch vor dem Ersten Weltkrieg.

Noch ein Bierhumpen, diesmal aus Steingut und bemalt im Auftrag des TV Oeslau, nachdem dieser 1914 von der Deutschen Turnerschaft zum Arbeiter-Turnerbund übergetreten war. 1922 vereinigte sich der TV Oeslau mit dem SV Oeslau zum TSV Oeslau, der bis zu seiner Zwangsauflösung 1933 im ATSB blieb.  

 

1919 führte der ATSB für seine Fußballsparte eine eigene Nadel ein. Das versilberte Messingschildchen erntete allerdings Kritik, weil es bis auf die Beschriftung "ATuSB" eine gewisse Beliebigkeit ausstrahlte. 

Im Sinne eines gemeinsamen Erscheinungsbildes aller ATSB-Sportler wurde es daher bereits 1921 durch das Design rechts ersetzt, welches sich größerer Beliebtheit erfreute und bis 1933 in Gebrauch blieb. Die Nadel von 1919 ist dafür heute die größere Sammlerrarität.

 

Mindestens ebenso selten dürfte der gläserne Briefbeschwerer mit lorbeergeschmücktem ATSB-Schild sein. Vielleicht handelt es sich sogar um ein Einzelstück.

Zur Erinnerung an das erste Spiel zwischen den Arbeiter-Auswahlmannschaften Belgiens und Deutschlands (1:3 am 5. September 1925 in Schaerbeek bei Brüssel) erhielt jeder deutsche Delegationsteilnehmer als Geschenk von der sozialistischen belgischen Tageszeitung "Le Peuple" diesen Bierzipfel.

Bronzemedaille zur Erinnerung an die Finnland-Tournee der ATSB-Auswahl (20. bis 27. Juli 1928), gestiftet vom finnischen Arbeiter-Sportverband TUL (Suomen Työväen Urheilulitto), der bis heute mit einer Mitgliederstärke von 300.000 besteht.

Das Trikotemblem von Sparta Lichtenberg aus den 1920er Jahren war für seine Zeit ein Stück echtes HighTech. Es ließ sich nämlich mittels Druckkknöpfen ans Trikot anbringen.

Das materielle Vermächtnis des Arbeitersports steckt voller Überraschungen. Eine davon ist dieser silberne Erinnerungsring vom 2. Bundes-Turn- und Sportfest, das der ATSB 1929 in Nürnberg ausrichtete.

Dieser Zinnbecher ist eine Erinnerungsgabe an die Gastmannschaft des Spiels der Moskauer Stadtauswahl gegen die Auswahl sächsischer Arbeiterfußballer (4:1) am 22. Mai 1927 in Moskau.

Hier eine typische Vereinsfahne aus der Weimarer Zeit, wie sie damals jeder ernsthaft geführte Verein besaß, als Heiligtum hütete und zu besonderen Anlässen ausführte. Der ATSV Marne wurde 1933 zwangsaufgelöst, konnte seine Fahne aber vor dem Zugriff der Nazis retten. Nach seiner Neugründung 1949 schloss er sich dem MTV Marne an.

Ein echtes Unikat ist diese Holztür samt dazugehöriger Gartenlaube, errichtet 1931 als Umkleidebaracke für den ATSB-Verein Dresdner BV von 1915 in einer Kleingartenanlage, wo sich auch der Fußballplatz befand. Der DBV-Nachfolger SG Gittersee muss sich hier aber nicht mehr umziehen. 

Im deutschen Arbeitersport waren Siegestrophäen eher die Ausnahme. Untenstehender Pokal könnte daher ein reines Zierstück gewesen sein. Dafür spricht, dass auf ihm lediglich das ATSB-Emblem, jedoch weder ein Vereinsname noch eine sportliche Plazierung eingraviert ist.

Zum Schluss ein Prosit der Gemütlichkeit! Was wäre dazu wohl besser geeignet als dieser herrliche Trinkpokal des SV Concordia 06 Nowawes

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© Christian Wolter

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