Auf der Suche nach verschollenen Filmen und Schallplatten zum Arbeiterfußball – Wer kann helfen?

 

A. Suche nach Filmen zum Fußballsport des Film-und Fotolabors der Bundesschule des ATSB in Leipzig
 
In der am 10. September 1926 übergebenen neu erbauten Bundesschule des ATSB in Leipzig war auch ein Film- und Fotolabor eingerichtet, das eigene Filme und Lichtbilder (Dias) herstellte. Es wurde von den Leipziger Fotografen Ernst Seidel und Arthur Lange betrieben. Die Filme der Bundesschule wurden von Prof. H. J. Teichler (Potsdam) nach ihm vorliegenden Quellenangaben 1985 in einem Verzeichnis erfasst.
Von den ATSB-Filmen wurden mehrere Kopien gefertigt, die samt einer 35-mm-Vorführapparatur gegen eine geringe Gebühr an deutsche Arbeitersportorganisationen und Vereine, öffentliche Kinos sowie an internationale Arbeitersportverbände, vermutlich in die damalige Tschechoslowakei, nach Österreich, Niederlande, Dänemark, Lettland und Palästina, verliehen werden konnten.
Nach der Besetzung der Bundesschule am 25. März 1933 durch die SA wurden die Filme der Arbeitersportbewegung durch die Politische Polizei beschlagnahmt und 1938 dem Reichsfilmarchiv übergeben. Ein Teil dieses Konvoluts lagerte nach dem 2. Weltkrieg in Harthausen bei München; von dort stellten es die US-Amerikaner 1953 dem Institut für Filmkunde in Wiesbaden zu. Schlechte Lagerbedingungen führten zur Beschädigung und Vernichtung vieler Filme aus dem empfindlichen Nitromaterial. Als das Bundesarchiv in Koblenz 1959 die wenigen übriggebliebenen Filme übernahm, waren keine Filme zum Arbeiterfußball dabei.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass es bei ehemaligen deutschen Arbeitersportvereinen und Privatpersonen sowie den Sport-Organisationen des Auslandes (ASKÖ/Österreich, SATUS/Schweiz, TUL/Finnland und in HaPoel/Israel) oder in Filmarchiven noch Kopien existieren, die natürlich historisch vom hohen Wert wären.
Filme von zumeist nicht bekannter Länge sollen nach unbestätigten Berichten in der Arbeitersportpresse auch von folgenden Sportereignissen gefertigt worden sein:
 
– Endspiel der Bundesfußballmeisterschaft am 6. Mai 1928 im Berliner Grunewaldstadion zwischen Pankower SC Adler 08 und ASV Frankfurt-Westend 96
– Länderspiel Deutschland-Österreich am 1. Juli 1928 im Nürnberger Stadion
 – 2. Internationales Jugendtreffen in Wien am 12. und 13. Juli 1929 mit dem Jugendländerspiel Österreich-Deutschland am 13. Juli 1929 in Wien auf dem Karl-Volkert-Platz (Red-Star-Platz)
 – Film „Arbeiter-Fußball“, Inhaltsbeschreibung: „Aus unendlich bedrückenden, schachtähnlichen Fabrikhöfen führt uns der Kameramann auf herrliche waldumrandete Spielfelder, wo lachende Menschen zu ihres Wesens innerstem Kern, der Freiheit, zurückgefunden haben Seid frei und gesund und freut euch des (Fußball-)Lebens!“ (Freie Sport-Woche vom 28. April 1930)
Der Film beginnt mit Aufnahmen von Wohnungselend, Arbeitsfrohn und Alkoholmissbrauch und stellt diese den Sport gegenüber. Dann zeigt er die Entwicklung und das Wachstum des Arbeiterfußballs und Reklamemöglichkeiten wie Presse, Funk und Plakate. Der nächste Teil zeigt die sonntägliche Arbeit der freiwilligen Berichterstatter. Im Kapitel "Jugend und Fußball" passiert einem Nachwuchskicker beim wilden Spiel auf der Straße eine Verletzung, dann folgt die Mahnung an die Eltern, ihre Kinder in einem Arbeitersportverein anzumelden. Teil 6 und 7 zeigen Ausbildung und Training. Unter 8. folgen bewegte Bilder von Großereignissen wie Frankfurt 1925, ATSB-Länderspiele vor großen Zuschauermassen und die dazugehörigen Schlagzeilen der Presse, auch der bürgerlichen. Der Film schließt mit Werbung für die Arbeiter-Olympiade 1931 in Wien, zeigt das dortige Praterstadion im Bau und schließt mit der wehende Budnesfahne.
Die Beilage „Der Fußball-Spieler“ berichtete in Nr, 5/1930, S. 38, dass der Film „Arbeiter-Fußball“ bisher in 13 Städten (Leipzig, Luckenwalde, Jena, Dresden, Blumenthal, Niederhaßlau, Würzburg, Sprockhövel, Zirlau, Wien, Burg, Bremen, Hamburg) vorgeführt wurde. Die Filmlänge von 2200 Metern entsprach rund zwei Stunden Vorführdauer.  
– Erstes Spiel um die Fußball-EM der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale, Deutschland-Österreich am 28. September 1932 in der Dresdener Ilgenkampfbahn (Nr. 29 im Filmverzeichnis der Bundesschule). Von diesem Film ist eine Länge von 450 m bekannt; eine 15 Minuten lange Kurzfassung von 396 m ist am 28.11.1932 ebenfalls gefertigt worden (siehe filmportal.de).
 
 
B. Suche nach Schallplatten
 
Laut Freier Sport-Woche vom 8. Juni 1931 gab die Westdeutsche Rundfunk AG Köln kurz nach dem damaligen Bundesfinale zwischen Lorbeer 06 Hamburg und der SpVgg 1912 Pegau die von der Nordischen Rundfunk AG übertragene zweite Halbzeit (Sprecher: Karl Kerb) auf Schellack heraus. Die Platte ist verschollen.
Bekannt ist auch, dass vom letzten Länderspiel des ATSB, dem Europameisterschaftsspiel gegen Polen am 26. Dezember 1932 in Leipzig, für die Mitteldeutsche Rundfunk AG eine Schallplatte gefertigt wurde.
Wer Hinweise zum Verbleib dieser Film- und Tonaufnahmen geben kann möge sich bitte an uns wenden. 

Rolf Frommhagen

 
Schellack-Platte aus dem Arbeiter-Turnverlag Leipzig, "SASI 1. Weltarbeitersporttag 1933 – Massenübungen für Männer und Frauen – Blas-Orchester Carl Woitschach"

 

Quellen:
Teichler, Hans-Joachim: "Die ATSB-Filme: Eine verlorene Quellengattung für die Sportgeschichte?" in: Jürgen Fischer/Franz Nitsch/Klaus Stock (Hg.): "90 Jahre Arbeitersport", Münster 1985, S. 93-101
Rolf Frommhagen nach eigenen Recherchen in „Der Fußball-Stürmer“, Leipzig und „Kleines Blatt“, Wien
Filme der Arbeiter-Turn- und Sportschule bei filmportal.de
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© Christian Wolter

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