Internationaler Arbeitersport

 

Ein erster internationaler Arbeitersport-Verband gründete sich am 10. Mai 1913 in Gent mit der "Association Internationale Socialiste d'Ecudation Physique" (AISEP). Ihr gehörten Belgien, Frankreich, England und wenig später auch Deutschland an. Die Verbandsleitung, das Internationale Büro (IB) saß in Brüssel. 1914 sollte eine Konferenz in Frankfurt(Main abgehalten werden, aber inzwischen herrschte Krieg, in dessen Verlauf der Verband zerfiel.

Der erste internationale Arbeitersport-Kongress nach dem Krieg trat am 16. August 1919 im belgischen Seraing zusammen. Die belgischen, französischen und englischen Delgegierten erörterten den Neuaufbau und die Frage, ob der deutsche Arbeitersport wieder aufgenommen werden sollte.

Am 12./13. September 1920 erfolgte in Luzern die Wiederbelebung unter dem Namen "Internationaler Verband für Sport und Körperkultur", für den sich aber der Name "Luzerner Sport-Internationale" (LSI) durchsetzte. Vertreten waren zunächst die Arbeitersportler von Frankreich, Belgien, Deutschland, Großbritannien, Schweiz, Finnland, Tschechoslowakei und Italien, zahlreicche Länder folgten.

Die LSI/SASI richtete regelmäßige Kongresse und mehrere Arbeiter-Olympiaden aus:

  • 1925 Winterspiele in Schreiberhau (Riesengebirge), Sommerspiele Frankfurt/Main
  • 1931 Winterspiele in Mürzzuschlag (Steiermark), Sommerspiele in Wien
  • 1937 Winterspiele in Janské Lázně (Riesengebirge), Sommerspiele in Antwerpen
  • 1943 in Helsinki, abgesagt wegen des Krieges

Außerdem organisierte die SASI 1933/34 eine Arbeiterfußball-Europameisterschaft, beteiligte sich am antfaschistischen Arbeitersportler-Aufmarsch in Paris 1934 und an der Volksolympiade in Barcelona 1936. Die SASI ging nach Beginn des Zweiten Weltkrieges ein. 

 

 

Mitglieder-Verbände der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale (1932)

 

Internationales Büro der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale (1932)

  • Präsident: Cornelius Gellert, Leipzig S 3, Fichtestr. 36, Fernruf: 302 89 (ATSB)
  • Präsident: Dr. Julius Deutsch, Wien, Rechte Wienzeile 97 (ASKÖ)
  • Sekretär: Rudolf Silaba, Prag II, Haclickova 5 a (DTJ)
  • Vertreter des technischen Hauptausschusses: Karl Bühren (ATSB)
  • Vertreter des technischen Hauptausschusses: Robert Riedel (ATSB)
  • Fritz Wildung, Berlin (ZK für Arbeitersport und Körperkultur)
  • Brūno Kalniņš, Riga (SSS)
  • Dr. Steinemann, Bern (SATUS)
  • Jules Devlieger, Commission Centrale d'Education Physique de Belgique 
  • Vilhelm Johan Kostiainen, Helsinki (TUL)

 

 

Die Rote Sport-Internationale

Als kommunistischer Konkurrenz-Verband formierte sich 1921 in Moskau die "Rote Sportinternationale" (RSI). Die LSI/SASI schloss RSI-Sportler von den Arbeiterolympiaden 1925 und 1931 aus und verbot den eigenen Mitgliedern die Teilnahme an der Internationalen RSI-Spartakiade 1928 in Moskau.

Die ab 1928 aus dem ATSB ausgeschlossenen kommunistischen Sportler gründeten ihren eigenen Verband, der der Roten Sport-Internationale beitrat, ebenso die oppositionellen Arbeitersportler anderer SASI-Mitgliedsverbände. Die RSI bestand noch bis 1937. 

 

Arbeitersport heute

Nach Wiedergründung des internationalen Verbandes 1946 in Brüssel konnte der Arbeitersport nie mehr seine alte Bedeutung erlangen. Die heutige Confédération Sportive International du Travail (CSIT; deutsch: Internationaler Arbeitersportbund) hat ihr Büro in Wien und führt sich auf ASIEP und LSI/SASI zurück.

Sie vereint 43 Organisationen aus 36 Ländern mit sage und schreibe 230 Millionen Mitgliedern! Einziges deutsches Mitglied ist der Rad- und Kraftfahrerbund "Solidarität". Seit 2008 trägt die CSIT "World Sports Games" aus. Die bisherigen fanden in Rimini (2008), Tallinn (2010), Varna (2013), Lignano (2015) und Riga (2017) statt.

 

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Fotos: Niederländische Arbeitersportler in der "Freien Sport-Woche" Nr. 39 (28. 9.) 1927

 
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© Christian Wolter

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