Der Pokal des Mögeliner SC

 

Untenstehende Trophäe aus den frühen 1930er Jahren befindet sich im Besitz des Mögeliner SC von 1913. Da im Arbeiterfußball nicht um Trophäen gespielt wurde, diente der Pokal vor allem der Repräsentation. Hierzu führte ihn die Mannschaft auch zu Auswärtsspielen mit. Darüber hinaus erfüllte das gute Stück wohl auch den Zweck eines Talismannes. Im bürgerlichen Fußball reisten meist Puppen und Plüschtiere als Glücksbringer mit, die daher mitunter auch auf Mannschaftsfotos auftauchten. 

 

 

Bei der Fußballerfigur mit Marmorsockel und Wimpelhalterung handelt es sich um Fabrikware, zusätzlich versehen mit der spezifischen Gravur "Für Rote Sporteinheit" und einem Wimpel mit Vereinsname und -emblem des damaligen Rot-Sport-Vereins Mögeliner SC.

Das Titelbild zu diesem Artikel zeigt den Pokal im Kreise von Mannschaft und Anhängern, vor dem Torwart auf einem Koffer stehend. Diese Aufnahme entstand 1932 bei einem MSC-Gastspiel beim sudetendeutschen SV Niemes (1:1). Hier ein vergrößerter Ausschnitt:

 

Detailaufnahme mit dem Mögeliner Pokal, 1932

 

Mögelin galt damals wegen hoher Wahlergebnisse der Arbeiterparteien als "der rote Schandfleck im Havelland". Als die KPD 1933 verboten wurde, versteckte MSC-Mitglied Erich Kolep den Rathenower KPD-Vorsitzenden in seiner Wohnung, wodurch dieser seinen Häschern entkam und  in die Sowjetunion flüchten konnte. Den Vereinspokal vergrub Kolep in seinem Garten, wo er spätere Hausdurchsuchungen der Nazis überstand und der Zerstörung entging.

 
Begrüßung vor dem Freundschaftsspiel gegem den ATSV Reichenberg 1932 in Mögelin

 

Der Mögeliner SC spielte nach seinem Übertritt im Herbst 1922 vom DFB zum Arbeitersport in der Havel-Gruppe des 1. ATSB-Kreises (Berlin-Brandenburg), deren Meisterschaft er 5mal (1927, 1929, 1931-1933) gewann. Die Heimspiele trug der MSC zunächst im nahegelegenen Rathenow aus, ab Oktober 1923 daheim auf Ziems Koppel und ab 1928 auf der Ablage, zu der folgende nette Anekdote überliefert ist:

Am 21. April 1929 wollte eine Havel-Auswahl den amtierenden ATSB-Meister Adler 08 Pankow zu einem Freundschaftsspiel in Mögelin empfangen. Auf dem Platz an der Ablage standen trotz regelmäßigen Spielbetriebs zwei mächtige Kiefern „so etwa in halblinker Position“. Die Gemeindesitzung erlaubte erst im März 1929 das Fällen. Schon Tags darauf gingen 50 Fußballfreunde ans Werk. Der Vereinswirt des MSC reichte den Arbeitern Stärkungen, und nur drei Stunden später waren beide Kiefern ofenklein, die Wurzeln ausgegraben und die Löcher planiert. Der Erlös aus dem Holzverkauf betrug 40 Mark, die zu gleichen Teilen an den MSC und die Mögeliner Gemeindekasse gingen. Das Spiel gegen Adler 08 endete nach torloser erster Halbzeit mit einem ehrenvollen 0:2 der Havel-Auswahl gegen den damaligen deutschen Arbeitermeister.

 
Ertinnerungsfoto von der Kiefernrodung auf dem Platz des Mögeliner SC, März 1929

 

Vielen Dank für die Fotos und Informationen an Manfred Sandmann vom Mögeliner SC v. 1913!

 

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© Christian Wolter