Die deutschen Meister im Arbeiterfußball

Bundesmeister des Arbeiter-Turn- und Sportbundes

 

1920 – TSV 1895 Fürth

1921 – Turnerbund Leipzig-Stötteritz von 1892

1922 – Turnerbund Leipzig Stötteritz von 1892

1923 – VfL (ehem. Turnerbund) Leipzig-Stötteritz

1924 – Dresdner SV von 1910

1925 – Dresdner SV von 1910

1926 – Dresdner SV von 1910

1927 – Dresdner SV von 1910

1928 – Pankower SC Adler vom Jahre 1908

1929 – SC Lorbeer Hamburg 06

1930 – TSV Nürnberg-Ost

1931 – SC Lorbeer Hamburg 06

1932 – TSV Nürnberg-Ost

 

Reichsmeister der Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit

 

1931 – Dresdner Sportverein von 1910

1932 – Freie Turnerschaft Jeßnitz/Anhalt

 

 

ATSB-Meister 1920 – TSV Fürth von 1895

 

Der erste ATSB-Meister wurde am 12. Dezember 1895 als Arbeiter-Turnverein Fürth gegründet. 1908 schloss sich ihm der TV Jahn Fürth an, 1912 erfolgte nach Fusion mit Kraftsportclub, FC Pfeil und FC Merkur die Umbenennung zu TSV.

Beim 3:2-Endspielsieg 1920 gegen den TSV Süden 07 Forst  traten die Fürther wie die bürgerliche SpielVgg Fürth in schwarzen Hosen und weißen Trikots mit Kleeblatt an. Tausende umjubelten die Sieger bei ihrer Rückkehr am heimischen Bahnhof, und der Oberbürgermeister empfing die Elf im Rathaus. Wochen später standen nur noch vier Meisterspieler in den Reihen des TSV, die restlichen sieben spielten nun für die Spielvereinigung. Der TSV konnte seinen Erfolg dadurch nicht verteidigen, erreichte auch nie wieder eine ATSB-Endrunde und stieg  später sogar in die 2. Klasse ab. Der Gesamtverein gedieh aber weiter und zählte 1928 800 Mitglieder.

Nach der erzwungenen Auflösung 1933 gründete sich „TuSpo“ 1948 neu, entwickelte sich wieder zu einem Breitensportverein und ging zum 1. Juli 2003 in der Spielvereinigung Greuther Fürth auf. Damit ist Greuther Fürth derzeit höchstklassiger DFB-Verein mit Wurzeln im Arbeiterfußball!

 

Geschichte des TSV Fürth

 

 

ATSB-Meister 1921, 1922, 1923 – Turnerbund von 1892 Stötteritz/VfL Leipzig-Stötteritz

 

1850 gründeten Handwerkergesellen den TV Stötteritz. Die im Emblem platzierte Losung „Alles durch die Arbeit, alles für die Arbeit“ ließ sich damals als Bekenntnis zur Arbeiterbewegung interpretieren. Bald nach Verabschiedung des Sozialistengesetzes löste sich der TV Stötteritz auf. Sein ideeller Nachfolger, der Arbeiter-Turnerbund Leipzig-Stötteritz von 1892, kam 1911 durch Aufnahme des FC Saxonia zu seiner Fußballsparte. Ab 1921 entwickelte sich die I. Mannschaft zum ersten „Superteam“ des ATSB-Fußballsund brachte es auf drei Bundesmeisterschaften in Folge. Die in Schwarz-Weiß spielenden Stötteritzer garantierten damals für gute Zuschauereinnahmen trotz örtlicher DFB-Konkurrenz wie VfB und Spielvereinigung Leipzig.

Ein Jahr nach Fusion mit der Freien Turnerschaft Südost und der Umbenennung in VfL Südost, wurde im Mai 1925 das Südost-Stadion mit Hauptkampfbahn, Nebenfeldern und Schwimmbad eröffnet. Vier ATSB-Länderspiele fanden hier statt: 1927 das 2:8 gegen die Sowjetunion, 1929 ein 4:4 gegen England, 1930 ein 4:0-Sieg über Finnland und 1932 mit dem 1:0 im EM-Qualifikationsspiel gegen Polen auch der letzte Auftritt der ATSB-Länderauswahl überhaupt.

1932 unterhielt der VfL die stolze Zahl von 18 Fußballmannschaften. Nach dem Verbot 1933 wurde das Sportareal enteignet und zum Stadion der Hitlerjugend umgewidmet. Zu DDR-Zeiten spielte hier die BSG Motor Stötteritz und seit der Wende der SSV Stötteritz, der  sich in der Tradition des 3fachen ATSB-Meisters sieht. Von der großen Vergangenheit zeugt auch ein Denkmal aus DDR-Zeiten für das Länderspiel vom 2. Juli 1927, auch wenn die I. Herren derzeit nur Stadtklasse spielen.

 

SSV Stötteritz

 

 

ATSB-Meister 1924, 1925, 1926, 1927, KG-Meister 1931 – Dresdner Sportverein von 1910

 

Der ewige ATSB-Rekordmeister entstand am 1. Juli 1910 durch den Zusammenschluss von vier „wilden“, also bis dato verbandslosen, Fußballvereinen aus dem Dresdner Osten. Laut § 2 des Vereinsstatuts bezweckte der Verein „die Förderung der Volksgesundheit auf rein volkstümlicher proletarischer Grundlage zur Kräftigung des arbeitenden Volkes durch 1. Pflege aller Leibesübungen und 2. Hebung des geistigen Wissens durch Vorträge und Versammlungen.“

Der DSV gewann die ab Herbst 1911 ausgetragene erste Meisterschaft der Dresdner Arbeiterfußballer, ab 1919 gelang ihm dies noch 9mal in Folge. In der sächsischen Kreismeisterschaft trafen die beiden damals spielstärksten ATSB-Mannschaften Stötteritz und DSV jahrelang in vorweggenommenen Endspielen aufeinander. Die Zuschauerzahlen pendelten dabei um die 10.000. Erst ab 1924 konnte sich Dresden gegen Stötteritz durchsetzen, die dann noch folgenden Gegner bis zur Meisterschaft bereiteten wesentlich weniger Mühe. 1924 trat der DSV als offizielle ATSB-Auswahl zu zwei Länderspielen gegen Frankreich an (3:0 und 7:1).

Im Juli 1925 eröffneten die Dresdner mit einer Festwoche ihr selbstgeschaffenes Stadion an der Hepkestraße. Am 25. August 1925 gewann der DSV hier mit 1:0 vor 18.000 Zuschauern gegen eine Auswahl aus dem ukrainischen Charkow. Es war der erste Sieg deutscher Arbeiterfußballer gegen Sowjets. Weil das Spiel ohne Erlaubnis der ATSB-Führung stattfand, griff diese hart durch: Dresden wurde als  amtierender Meister für einige Monate aus dem ATSB ausgeschlossen! Nach der Amnestierung gelang trotzdem die Titelverteidigung.

1929 spaltete sich vom Dresdner SV ein gleichnamiger kommunistischer Verein ab, der 1931 die erste KG-Reichsmeisterschaft gegen Sparta Lichtenberg gewann. Nach dem Verbot durch die Nazis und vielen Namenswechseln zu DDR-Zeiten legte sich die BSG Empor Tabak Dresden im Sommer 1990 den alten, ruhmreichen Namen zu, verfügt jedoch über keine Fußballabteilung mehr. Diese gründete  mit der SG Striesen ihren eigenen Verein. In der Tradition des Dresdner SV von 1910 sehen sich aber beide Vereine.

 

Dresdner SV von 1910

SG Striesen

 

 

ATSB-Meister 1928 – Pankower SC Adler 08 Berlin

 

Im September 1919 wechselten die Blau-Weißen vom damaligen DFB-Regionalverband Verband Brandenburgischer Ballspielvereine zum ATSB und damit zu dessen Regionalverband Märkische Spielvereinigung. Spielstätte wart über Jahre der Andreas-Hofer-Platz in Pankow, der alten Luftaufnahmen nach wohl keine offiziellen Wettkampfmaße aufwies und vermutlich daher nicht im DFB-Herrenbereich bespielt wurde.

In seinem Meisterjahr 1928 war Adler 08 jedoch bereits ins heutige Stadion Kissingenstraße umgezogen. Maßgeblichen Anteil am größten Vereinserfolg hatte Adolf Trotschinski, der durch seine Erfolge im DFB-Verein Norden-Nordwest (Berliner Meister 1922, Pokalsieger 1923 und 1925) sowie in der VBB-Auswahl (Kronprinzenpokalsieg 1918)  zu den bekanntesten Spielern der Hauptstadt zählte. Eine zweijährige Sperre im DFB überbrückte Trotschinski als Spielertrainer bei Adler 08 und formte die Mannschaft in dieser Zeit zum ATSB-Meister. Im Endspiel gegen Frankfurt-West traf er viermal! Kurz darauf durfte er wieder im DFB-Bereich spielen, kehrte zurück zu Norden-Nordwest und vermittelte vier weitere Adler-Spieler an den bürgerlichen Weißenseer FC. Adler 08 errang trotz dieses Aderlasses 1929 erneut die Meisterschaft der Märkischen Spielvereinigung. Die Verteidigung des Bundestitels war jedoch nicht möglich, weil Adler 08 im Sommer 1928 zusammen mit den meisten Berliner Arbeitervereinen aus dem ATSB ausgeschlossen worden war.

1931 kehrten die Pankower von der Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit zurück zum ATSB und wurden 1933 letzter Arbeitermeister von Berlin. 1933 dann verliert sich die Spur dieses Meistervereins. Jedoch ist er nicht zu verwechseln mit seinem langjährigem Lokalkonkurrenten Pankower SC vom Jahre 1908, der sich 1933 mehrheitlich dem BSC Favorit von 1896 anschloss.

 

 

ATSB-Meister 1929, 1931 – SC Lorbeer Hamburg von 1906

 

Vor dem 1. Weltkrieg schon erfolgreich im Schlagball, entwickelte sich der Verein aus Rotenburgsort in den 20er Jahren mit fünf Hamburger und zwei ATSB-Meisterschaften zu einem der erfolgreichsten und populärsten Arbeitervereine – und einer der kampfstärksten: Die Endspiele um die ATSB-Meisterschaften 1929 und 1931 waren die einzigen dieses Wettbewerbs, in denen Halbzeitrückstände gedreht wurden, und beide Male zugunsten Lorbeers!

Bekanntester Spieler war natürlich der Stürmer Erwin Seeler, 1931 inoffizieller Torschützenkönig der Wiener Arbeiterolympiade und Vater der späteren HSV-Profis Uwe und Dieter. 1932 wechselte er zum bürgerlichen SC Victoria und von dort zum HSV.

Nach Kriegsende wurde der SC Lorbeer wiedergegründet und fusionierte 1946 mit der Freie Turn- und Sportvereinigung Hammerbrook-Rothenburgsort, aus der er einst hervorgegangen war, zum FTSV Lorbeer Rotenburgsort von 1896, dessen I. Männermannschaft z.Z. in der Hamburger Kreisliga spielt.

 

FTSV Lorbeer Rothenburgsort von 1896

 

 

ATSB-Meister 1930, 1932 – Turn- und Sport-Vereinigung Nürnberg-Ost

 

Der Turnverein Jobst-Erlenstegen schloss sich gleich nach seiner Gründung 1897 dem Arbeiter-Turnerbund an. Nach 1918 erfolgte die Umbenennung in TSV Nürnberg-Ost und die Gründung der Fußballabteilung. Dieser gelang 1922 die erste Bezirksmeisterschaft und im Jahr darauf auch die ATSB-Kreismeisterschaft. 1930 qualifizierten sich die Ost-Nürnberger mit ihrer ersten Süddeutschen Meisterschaft erstmals für die Bundesendrunde und gewann im Endspiel deutlich gegen Hamburg-Bahrenfeld. Dieser Erfolg konnte zwei Jahre darauf  mit dem Gewinn des zweiten Titels, diesmal gegen die Freie Turnerschaft Cottbus 93 und wieder im Stadtischen Stadion zu Nürnberg, bestätigt werden.  

Nach dem Verbot 1933 gingen viele der Fußballer zu Maxvorstadt 04, dem heutigen SC Nürnberg 04. Im November 1945 schlossen sich die ehemaligen Arbeitersportvereine FTSV Nürnberg Südost, ATSV Mögelsdorf und TSV Nürnberg-Ost zur Sportvereinigung Nürnberg-Ost zusammen. 2000 erfolgte die Fusion mit Sportbund Morgenrot Mögeldorf zur Sportvereinigung Mögeldorf 2000. Der Nachfolger des letzten ATSB-Meisters spielt derzeit ebenfalls Kreisklasse.

 

Sportvereinigung Mögeldorf 2000

 

 

KG-Reichsmeister 1932 – Freie Turnerschaft Jeßnitz

 

Die Freie Turnerschaft aus dem anhaltinischen Jeßnitz gewann 1932 völlig überraschend die KG-Reichsmeisterschaft. In den Vorrunden waren alle Favoriten ausgeschieden, so dass das Endspiel mit Jeßnitz und BV Gelsenkirchen zwei weithin unbekannte Mannschaften bestritten.

Heute heißt der Verein SG Jeßnitz e. V, gegründet 1900 und spielt aktuell ebenfalls auf Kreisebene.

 

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© Christian Wolter

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