Arbeitersportplätze im Coburger Land

Waldstadion und Vereinsheim des ASV 06 Neustadt

 

​Das heutige Waldstadion an der Ebersdorfer Straße mit dem Vereinsheim des ASV 06 Neustadt zählt zu den traditionsreichsten und ältesten Sportstätten des Coburger Landes. Die Anlage wurde in den 1920er Jahren durch die Mitglieder der Freien Turnerschaft Neustadt sowie des SV Arminia 06 Neustadt geschaffen. Der damalige Oberbürgermeister Hans Rollwagen (SPD) unterstützte beide Vereine bei der Planung nach besten Kräften, und so überließ die Stadt Neustadt den Freien Turnern und dem SV Arminia ein Grundstück hinter dem Herrenholz an der Ebersdorfer Straße. 

Ab 1924 machten sich beide Vereine ans Werk. Freie Turner und Arminen erbrachten einen beträchtlichen Teil an unentgeltlichen Eigenleistungen, wobei vor allem die umfangreichen Erdarbeiten sowie die Beschaffung von Geldmitteln den Vereinsmitgliedern alles abverlangten. An Pfingsten 1925 war der neue Sportplatz weitgehend fertiggestellt, im Jahr darauf auch der Bau eines gemeinsamen Vereinsheimes mit Halle.

 

Die wohl älteste Aufnahme vom Fußball in Neustadt zeigt den damaligen FC Arminia 06, etwa um 1910, also noch vor seinem Übertritt vom DFB zum Arbeitersport.

 

Am 6. Juni 1926 begingen die Freien Turner und die Arminen gemeinsam die feierliche Weihe von Sportplatz und Halle. Die Neustadter Tageszeitung berichtete seinerzeit ausführlich über die Sportplatz- und Hallenweihe. Den Auftakt ins Festwochenende machte am 5. Juni 1926 ein Zapfenstreich, ausgeführt „von ca. 60 Spielleuten der Arbeiter-Turn- und Sportbewegung von Neustadt, Coburg und Sonneberg. Mustergültig bewegte sich dieser Spielchor durch die Straßen unserer Stadt und dürfte wohl einen guten Eindruck hinterlassen haben.“

Am folgenden Sonntag wurde der Arbeitersportplatz, so die offizielle Bezeichnung, mit einer Vielzahl sportlicher Veranstaltungen eingeweiht. Der Zeitungsartikel schildert in blumigen Worten den Verlauf des offiziellen Weihetages: „Der Wettermacher war jeder Einsicht bar – in Strömen ging der Regen nieder. – Trotzdem war jedoch von früh 8 Uhr an auf dem zu weihenden Sportplatz reges Turn- und Sportleben. Hier Reck, dort Barren, Freiübungen, Weitsprung, Ballwerfen usw.; viele Turnvereine und Turner waren angetreten, um im friedlichen Wettstreit ihre Kräfte zu messen oder dem Publikum die Ertüchtigung der jungen Körper vorzuführen. Ein Vergnügen war es hauptsächlich, der mit allem Eifer arbeitenden Schuljugend zuzusehen. Leider waren dabei einige Unfälle zu verzeichnen, die auf das Konto des regnerischen Wetters zu buchen sind. Wie wir erfahren konnten, waren sie bis auf einen leichterer Natur ... Nach 3 Uhr begann ein Propaganda-Fußballspiel zwischen Arminia-Neustadt und Steinbach-Hallenberg (Sonder-Mannschaften). Den Zuschauern wurde ein schönes Spiel vorgeführt; als Sieger ging Steinbach-Hallenberg mit 5:3 aus dem Kampfe hervor. Anschließend spielten die Alten Herren von Arminia gegen die des Sp.-V. Altenkunstadt, wobei die erstgenannte Mannschaft als Sieger den Platz verließ. Gegen 6:30 Uhr wurde dann die Preisverteilung vorgenommen.“

 

 

Nach dem Verbot der beiden Vereine im Zuge der so genannten Gleichschaltung im Frühjahr 1933 wurde das Vereinsgelände vom Reichsarbeitsdienst (RAD) in Besitz genommen. Erst 17 Jahre später konnte der ASV 06 Neustadt als Nachfolger der Freien Turner und des SV Arminia an sein Gelände zurückkehren. Unter großem Einsatz richteten die Mitglieder des Vereins den ramponierten Sportplatz sowie die Halle wieder her. Dabei erhielten sie Zuschüsse von der Stadt und aus Toto-Einnahmen, ohne die der Kraftakt für den finanzschwachen Verein wohl kaum möglich gewesen wäre. 

Am 17. Juni 1950 wurde die wiederhergestellte Sportanlage durch Oberbürgermeister Paul Weppler eingeweiht. Das 1933 beschlagnahmte (und nicht ersetzte) Mobiliar musste neu angeschafft werden. 

 

 

Der ehemalige Arbeitersportplatz hat sich seit seiner Einweihung vor über 90 Jahren praktisch unverändert erhalten, ebenso wie auch das Vereinsheim. Zusammen bilden beide ein Ensemble, das zumindest in Oberfranken einzigartig sein dürfte und in der Region den letzten noch aus der Vorkriegszeit stammenden Arbeitersportplatz darstellt, der auch heute noch von einem (ehemaligen) Arbeitersportverein genutzt wird. Vor allem das Sportheim mit seiner neubarock angehauchten Heimatschutz-Architektur hat einen ganz eigenen Reiz.

 

Der ehemalige Sportplatz der Freien Turnerschaft Creidlitz

 

Die 1910 gegründete Freie Turnerschaft Creidlitz schloss sich nach dem Ersten Weltkrieg dem ATSB an. Wie aus alten Tabellen hervor geht, trug sie auch Fußball-Punktspiele aus.

Mit Unterstützung der damals noch selbständigen Gemeinde Creidlitz (seit 1972 ein Stadtteil von Coburg) sowie Empfängern von Wohlfahrts-Unterstützung richteten die Arbeitersportler 1932 einen Sportplatz am östlichen Ortsrand her. Noch vor dessen Einweihung 1933 wurden die Freien Turner dann aber verboten. Den Platz übernahmen die beiden anderen Sportvereine am Ort, der TV Creidlitz (gegründet 1908, Deutsche Turnerschaft) sowie der SC Pfeil Creidlitz (DFB), der sich 1921 als reiner Fußballklub vom bürgerlichen Turnverein abgespalten hatte.

 

 

Der Platz wurde 1933 als "Horst-Wessel-Platz" eingeweiht - ein hübsches, kleines Naturstadion mit einem einzelnen, auf dem Foto gut zu erkennenden Stehrang. Die beiden verbliebenen Sportvereine fusionierten 1939 zur heute noch bestehenden TSG 1908 Creidlitz, welche den Sportplatz bis 1984 nutzte, ehe am entgegengesetzten Ortsende ein neues Sportgelände eingeweiht wurde. Der alte Sportplatz wurde in eine Grünanlage mit Spielplatz umgewandelt und heißt seitdem nach dem langjährigen SPD-Bürgermeister von Creidlitz "Hans-Blümlein-Anlage". 

 

 

Erhalten blieb der Stehrang sowie die auf dem Bild zu erkennende Stützmauer, die leider in der jüngsten Vergangenheit wegen Baufälligkeit abgebrochen werden musste. Der Stehrang existiert noch immer, ist aber inzwischen gesperrt und ebenfalls baufällig.

 

Der ehemalige Sportplatz in Ahorn

 

Im Juli 1926 gründete sich in Ahorn vor den Toren Coburgs eine erste Fußballmannschaft, die sich dem seit 1923 bestehenden Unterhaltungs-Verein anschloss. Die Fußballer nahmen fortan als „Sport- und Unterhaltungsklub (SUK)“ bzw. „Sport- und Unterhaltungsverein (SUV)“ am Spielbetrieb teil, seit 1929 unter dem Dach des ATSB.

Bei der Suche nach einem dauerhaft nutzbaren Sportgelände kam die Gemeinde Ahorn den Arbeiterfußballern im selben Jahr ein Stück weit entgegen. Unweit der gemeindeeigenen Schäferei durften die Kicker des Sport- und Unterhaltungsklubs fortan dem runden Leder nachjagen – wenn auch mit einigen Einschränkungen. Die Ahorner Fußballer mussten sich zum einen das Gelände mit den beiden Turnvereinen am Ort teilen, was allerdings eine vergleichsweise geringfügige Einschränkung des Spielbetriebs darstellte. 

 

 

Sehr viel lästiger war jedoch ein anderer Störfaktor. Nicht selten nämlich wurde das Treiben der Fußballer durch den Ahorner Schäfer erschwert, der die Rasenfläche als ideales Weideland für seine Herde betrachtete. Wohl oder übel mussten sich die Sportler mit den wolligen Vierbeinern (und ihren Hinterlassenschaften) arrangieren, hatten sie sich doch im Pachtvertrag mit der Gemeinde dazu verpflichtet, „auf anderen Grundstücken nicht mehr zu spielen“.

Robert Schäfer, Hirschaid

 

Foto Neustädter Vereinsheim in den 20er Jahren: Sammlung Thorsten Kotschy, Eicha; Foto Sportplatz Ahorn mit Schafen: Sammlung Hans-J. Finsel, Ahorn; Foto Sportplatzweihe 1933, FC Arminia 06 Neustadt und Farbfotos: Robert Schäfer

 

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© Christian Wolter