Berlin von oben – Arbeitersportplätze 1928

 

Im Sommer 1928 nahm die Hansa Luftbild, ein Tochterunternehmen der Deutschen Lufthansa, erstmals das gesamte Berliner Stadtgebiet fotografisch auf. Damit wurden auch alle Berliner Sportplätze jener Zeit auf Zelluloid gebannt. Dank dieser hervorragenden Bildquelle können wir Euch die wichtigsten damaligen Schauplätze des Arbeitersports aus der Luft zeigen.

Unser Rundflug beginnt über dem Exerzierplatz "Einsame Pappel" an der Bernauer Straße, dem heutigen Jahn-Sportpark. 1825 kaufte der Preussische Militärfiskus das damals noch vor Berlin liegende Gelände und legte darauf den Exerzierplatz für das Kaiser-Alexander-Gardegrenadier-Regiment Nr. 1 an. Am 26. März im Revolutionsjahr 1848 versammelten sich hier 10.000 Menschen zur ersten demokratischen Versammlung in der Berliner Geschichte.

 

 

Ab 1890 durfte auf dem Exer ziviler Sport betrieben werden; der Legende nach erteilte Kaiser Wilhelm II. dazu persönlich den Fußball-Pionieren vom BFC Alemannia 90 die Erlaubnis! Auch Hertha und Tennis Borussia erlernten hier das Fußballspiel. 1912 kaufte die Stadt die östliche Hälfte und legte auf ihr nach Plänen von Dr. August Bier öffentliche Sportanlagen an. Die waren auch bitter nötig, um den Bewohnern der Hinterhaus-Quartiere etwas Luft und Sonne zu verschaffen. Auf ihnen tummelten sich in der Weimarer Zeit auch zahlreiche Arbeiter-Sportvereine wie Teutonia 09, der BSC Wacker 20, BFC Amateure 24, ASV 24 sowie diverse Abteilungen des ASV Fichte Groß-Berlin.

Zwischen "Exer" und Nordbahnhof verlief während der Deutschen Teilung die Grenze zwischen Ost- und Westberlin. Auf den einstigen Gleisanlagen breitet sich heute der Mauerpark aus. Östlich von diesem liegt das 1951 eröffnete Jahn-Stadion, nördlich angrenzend die Max-Schmeling-Halle. Die Hauptwege im Sportpark verlaufen heute noch so, wie sie 1912 angelegt worden und hier zu sehen sind. 

 

 

Hoch im Norden, in Wilhelmsruh, wo die Kleingärten damals an die Rieselfelder grenzten, liegt die Nordend-Arena. Errichtet wurde sie von 1920 bis 1925 als Notstandsarbeit. Nach dem Auftraggeber David August Bolle vom gleichnamigen Berliner Milch-Imperium hieß sie anfänglich Bolle-Sportplatz. An Arbeitersport-Vereinen waren hier die Fichte-Abteilung XXIII (Niederschönhausen) und der SC Union 1911 Pakow aktiv. 

Zu DDR-Zeiten erfolgte dann die Umbenennung in Nordend-Arena. Hauptnutzer war nun, und blieb es bis heute, Concordia Wilhelmsruh, einer der ganz wenigen Fußballvereine, die in der DDR ihren alten Namen fortführen durften und auch keinen Trägerbetrieb hatten, sich also privat finanzierten. In den 1980er Jahren spielte hier auch die BSG Bergmann Borsig. Die Anlage ist weitestgehend im Originalzustand erhalten und steht unter Denkmalschutz.

 

 

Weiter im Uhrzeigersinn geht es zum Andreas-Hofer-Platz in Pankow. Heute eine Grünanlage, damals ein öffentlicher Sportplatz. Die heutige Umbauung mit Wohnblöcken fehlt auf dem Bild noch größtenteils. 

Im Arbeitersport wurden auch Plätze zu Punktspielen genutzt, die wegen zu geringer Maße im DFB-Fußball eher nicht zugelassen waren. Der Hofer-Platz könnte dafür ein Beispiel sein, denn wir wissen nur von ATSB- und "Rot Sport"-Vereinen, die hier antraten. Beispielsweise der ATSV Pankow, ehe dieser 1926 auf seinen eigenen Platz am S-Bahnhof Heinersdorf umzog, des weiteren der SC Adler 08 Pankow und der SC Germania 28 Pankow.

 

 

Bescheiden wirkt auch der Pankower Gemeinde-Sportplatz an der Pichelswerder Straße. Hier wurde auf gestampftem Lehm gespielt, neben Asche jahrzehntelang der übliche Belag auf öffentlichen Sportplätzen. Rasen gab es damals fast nur auf den Hauptplätzen von Vereins- und Kommunalstadien.

In den frühen 1920er Jahren kickten an der Pichelswerder Straße der Pankower SC vom Jahre 1908, SC Union 1911 Pankow sowie der BFC Nordiska 1913. Letzterer bestritt hier am 22. Mai 1921 das Endspiel um die Ostdeutsche Meisterschaft des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes. Dieses gewann Nordiska gegen Breslau Süd 1919 mit 3:2 vor 1500 Zuschauern.

Heute ist hier Borussia Pankow beheimatet. Die einstige Lehmdecke ist inzwischen, wie die meisten Berliner Fußball-Felder, mit Kunstrasen belegt. Seit DDR-Zeiten ist der Sportplatz nach dem Pankower Antifaschisten Walter Husemann benannt.

 

 

In Berlin-Heinersdorf liegt das Kissingen-Stadion, als Sportanlage geplant und realisiert für das zeitgleich errichtete Kissingen-Viertel. Damals war es noch ein Sportplatz ohne Stehreihen, das Hauptfeld ist auf dieser Aufnahme noch im Bau, und die Laufbahn umfässt beide Plätze. Hier spielten neben verschiedenen DFB-Clubs die Pankower ATSB- und "Rot Sport"-Vereine SC Falke von 1913, SC Union 1911 Abteilung Buchholz, die Freie Sport-Vereinigung sowie ab ca. 1925 auch der ATSB-Meister von 1928, der Pankower SC Adler 08!

Das Stadion verfügt heute noch über Haupt- und Nebenplatz, die Laufbahn ist aber längst auf handelsübliche 400 Meter verkürzt. Sein Fassungsvermögen von 8000 macht es unter Berlins kleineren Stadien zu einem der größeren. Inzwischen spielt jetzt u.a. Fortuna Pankow 46. Rechts im Bild sehen wir ein Stück der Prenzlauer Promenade.

 

 

Wer mit dem Auto die Prenzlauer Promenade stadtein- oder aus fährt, dem fällt der alte Rund-Lokschuppen am ehemaligen Rangier-Bahnhof Pankow-Heinersdorf auf. Westlich von ihm, hinter einer Kleingarten-Kolonie, erstreckte sich ab 1926 der vom ATSV Pankow geschaffene Sportplatz, dazwischen verläuft heute eine Hochstraße stadtein- und auswärts. 

Der Dunkelton des Spielfeldes und die abgelaufenen Flecken vor den beiden Toren deuten auf Rasenbelag hin. Das ist erwähnenswert, weil eine so intakte Rasendecke damals selbst für oberklassige DFB-Vereine keine Selbstverständlichkeit war. 1932 trat der ATSV Pankow dem Zentralverein Fichte als Abteilung Pankow bei, ab dann taucht der Platz in der Presse als Fichte-Pankow-Platz auf. 1933 wurde er wie alle Arbeitersport-Plätze enteignet. Später wurde die Gegend mit Wohnblöcken bebaut.

 

 

Diese Aufnahme zeigt den damaligen Platz des Weißenseer FC von 1900 an der Greifswalder Straße 68-70. Auf der anderen Straßensete liegt die 1873 in Betrieb genommene IV. Berliner Gasanstalt, heute breitet sich dort der Ernst-Thälmann-Park aus. Ein Stück die Straße hoch kommt der S-Bahnhof Greifswalder Straße.

Der Platz existierte nur ein paar Jahre, der WFC spielte hier zeitweise in der obersten Spielklasse des Verbandes Brandenburger Ballspielvereine (heute Berliner Fußball-Verband), als Untermieter trat hier auch der Arbeiter-Sportverein Weißensee an. In den 30ern wurde das Gelände mit dem heute noch erhaltenen Wohnblock bebaut.  

 

 

Das Gelände der bereits vor dem Ersten Weltkrieg aufgegebenen Trabrennbahn Weißensee diente schon zu Kaisers Zeiten als Betätigungsfeld für Arbeitersportler. Ihre Gäste empfingen hier u.a. der Weißenseer FC Germania 1910, 1920 vorübergehend auch mal der BFC Nordiska 1913, sowie als sportlich bedeutendster Verein der ASV Weißensee, Berliner Arbeiterfußball-Meister 1912 und 1933.

Für Freunde der gepflegten Beatmusik dürfte außerdem von Interesse sein, dass hier in der DDR-Endzeit vor Hunderttausenden Bruce Springsteen, Joe Cocker und die Rolling Stones auftraten. Woodstock? Wembley? Weißensee!

 

 

Wie viele andere kommunale Erholungsanlagen wurde auch diese Anfang der 1920er Jahre im Rahmen von Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen in Angriff genommen. So entstand an der heutigen Buschallee in Berlin-Weißensee der Volkspark Fauler See mit Stadion und Nebenplätzen. Der Hauptplatz wurde am 25. August 1923 von den DFB-Vereinen Weißenseer FC und Wacker 04 eingeweiht. Es folgte eine weitere Eröffnungsfeier speziell durch Weißenseer Arbeitersportler, denn gemeinsame Veranstaltungen von bürgerlichen und proletarischen Sportvereinen waren von den Verbänden beider Seiten nicht erwünscht. 

 

 

Diesen 1928 noch unscheinbaren Platz hatte die damalige Landgemeinde Hohenschönhausen etwa 1912 angelegt. Zu DDR-Zeiten wurde er zum Stadion ausgebaut, und um ihn herum entstand das Sportforum Hohenschönhausen als Leistungszentrum der Sportvereinigung Dynamo.

Finanzielle Träger des Dynamo-Sports waren die inneren Sicherheitorgane der DDR (Volkspolizei, Ministerium für Staatssicherheit und Zoll), ihr Vorsitzender der Stasi-Chef Erich Mielke, der in seiner Jugend Arbeitersportler beim ASV Fichte Berlin. Fichte wiederum war hier in der Weimarer Zeit mit mehreren Abteilungen ansässig. Zu DDR-Zeiten trainierte und spielte hier dann folgerichtig Mielkes Lieblings-Verein BFC Dynamo, der hier 1972 im UEFA-Cup dem großen FC Liverpool ein 0:0 vor 20.000 Zuschauern abrang. 

 

 

 

ff

 

 

 

Der Kompass-Rose folgend kommen wir nun vom Berliner Nordosten in den Osten und nach Friedrichshain an die Persiusstraße. Das Bild zeigt den Platz des damaligen SV Stralau 1910, hier seit 1919 ansässig und in den 20ern viermal hintereinander Meister seines Spielbezirks.

Der Platz ist schlicht, hat aber beachtlich viel Besucher-Stauraum. Auf zeitgenössischen Fotos verleihen ihm seine einladenden Zuschauer-Hänge, die umgebenden wilhelminischen Fassaden und der über die Dächer lugende Wasserturm am Ostkreuz eine gerüttet' Maß Kiez-Romantik und Fußball-Nostalgie. Inzwischen ist der Stralau-Platz umgestaltet, heißt seit langem Lasker-Sportanlage und beheimatet den FSV Berolina-Stralau von 1901, dessen eine Namenshälfte noch an die Vergangenheit im Arbeiterfußball erinnert. 

 

 

In der Lichtenberger Ortslage Victoriastadt schuf sich der SC Sparta 1911 Lichtenberg um 1924 in einem Hofwinkel seinen eigenen Platz. Hier an der Hauffstraße löste Sparta den Lokalrivalen Stralau 1927 als Bezirksmeister ab und wurde fünfmal in Folge Meister des Berliner Ostens. Am 6. August 1930 spielte hier die Berliner "Rot Sport"-Auswahl gegen die "Rot Sport"-Reichsauswahl 5:5 vor über 5.000 Zuschauern, was wohl der Besucherrekord an der Hauffstraße sein dürfte.

Sparta Lichtenberg zog zu DDR-Zeiten um an die Kynaststraße und später an die Fischerstraße, aber der Platz an der Hauffstraße ist noch in Betrieb und belohnt mit seinem nach wie vor besonderen Flair  den Groundhopper für dessen Besuch.

 

 

Der Sportplatz Kynaststraße entstand 1923 als Ersatz für den Gemeinde-Sportplatz an der Hirschberger Straße, der damals mit dem neuen Hauptwerk der Knorr-Bremse GmbH bebaut wurde. Am 24. August 1924 wurde die kleine Tribüne zum Spiel der Arbeiter-Auswahlen Berlin - Dresden (1:1) eingeweiht.

Einer der Hauptnutzer war die Freie Turnerschaft Rummelsburg, außerdem gingen hier zahlreiche Entscheidungs- und Repräsentativspiele der Arbeiterfußball über die Bühne. Das maximale Fassungsvermögen von etwa 6000 ließ sich durch das Zuschauen auf den Bahnsteigen des nahen S-Bahnhof Ostkreuz noch etwas steigern. Rekordbesuche gab es bei den beiden Rusenspielen: 6000 am 12. September 1925 gegen Charkiw (1:4) und sogar 6500 am 24. Januar 1926 gegen Moskau (0:7).

Außerdem spielte hier der DFB-Verein Berolina-LSC 01, bei dem der spätere WM-Trainer Sepp Herberger im Rahmen seiner Trainerausbildung ein Praktikum absolvierte! Bis 2007 spielte hier Sparta Lichtenberg und zog dan um auf die beiden neu gebauten Sportplätze an der Fischerstraße. Die Fläche an der Kynaststraße 25 soll für Wohnungsbau, Büro- und Dienstleistungsflächen sowie Grünflächen-Ergänzungen genutzt werden.

 

 

Diese Sportanlage befand sich an der Treskowallee 32 in Friedrichsfelde. Errichtet hatte sie der Jüdische Turn- und Sportverein Bar Kochba, der sie am 17. Mai 1914 mit einem Sportfest und 2500 Gästen eröffnete. Damit war es wohl die erste repräsentable Sportanlage eines jüdischen Vereins in Deutschland! 1926 zog Bar Kochba um nach Mariendorf, Hauptnutzer wurde nun die Freie Turnerschaft Friedrichsfelde. Der Platz bestand bis zur Bebauung mit zwei Wohnhochhäusern und einer Kaufhalle in die 1970er Jahren. Auf der anderen Straßenseite liegt der Besucher-Eingang vom Tierpark.

 

 

SC Oberspree 1913, SportVgg. Berolina 1928 Niederschöneweide, 

 

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Bildmaterial: Luftbildplan 1928, Maßstab 1:4000, 164 Schwarz/Weiß-Senkrechtaufnahmen von Berlin, entstanden in einem Zeitraum um 1928. Die Luftbilder im Maßstab 1:4000 liegen im K5-Blattschnitt vor. Die Georeferenzierung erfolgte über die 4 Eckkoordinaten. Auftragnehmer: Hansa Luftbild; Bereitsteller: Geoportal Berlin; Datenlizenz Deutschland – Namensnennung – Version 2.0 

 

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© Christian Wolter

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