Pfingsten 1930 in Erfurt:

Erstes "Rot Sport"-Reichstreffen 

 

Die Feindschaft zwischen Sozialdemokratie und Kommunisten wurde nicht nur auf parlamentarischer Ebene ausgetragen, sie pflanzte sich auch in der gesamten Arbeiter-Kulturbewegung fort. Das führte in  der Zwischenkriegszeit letztlich zur Spaltung aller  Bereiche der Arbeiterbewegung.

Im Arbeitersport wurde die Spaltung im Sommer 1928 amtlich. Der 16. ATSB-Bundestag in Leipzig warf kommunistischen Delegierten vom TSV Fichte Groß-Berlin organisationsschädigendes Verhalten vor und entzog ihnen nach Abstimmung die Mandate. Im weitreren Verlauf folgte der Ausschluss der meisten Arbeitervereine in Berlin und Brandenburg und einiger in allen anderen Landesgebieten mit zusammen etwa 30.000 Mitgliedern aus dem ATSB.

Am 26. Mai 1929 gründeten die Ausgeschlossenen die "Interessensgemeinschaft zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport", kurz IG. Nach eigenen Angaben zähjlte sie da bereits 50.000 Mitglieder, also 20.000 mehr als die vom ATSB ausgeschlossen.

Am Pfingstwochenende 1930 

 

 

Etwa 55 Fußball-Mannschaften nehmen am Reichstreffen teil, man hatte mit etwas mehr gerechnet, sollen in über 100 thüringischen Städten ihr Können werbend präsentieren, Fichte Nord Apolda, Borussia in Erfurt, Zernsdorf in Erfurt

WaW 10. 6. 1930
40.000 in Erfurt und Thüringen am Sonntag, Treppe zum Dom voll mit roten Sportlern, auf dem Kongress mit 800 Delegierten am Sonnabend

 

Sonnabend, d. 7. 6. im Reichshallen-Theater Eröffnung des Reichskongress der IG, 800 Delegierte von Verbänden und Vereinen, Redner Florin vom ZK der KPD, Wilhelm Pieck von der RHD, 
Am Sonntag Kampfaufmarsch der roten Sportler, zentraler Kundgebungsplatz Friedrich-Wilhelm-Platz (der heutige Dom-Platz) , wo Thälmann zur Begrüßung der 40.000 Sportlern spricht

 

kein Ärger mit der Polizei, Schupo nur an Verkehrsknotenpunkten, Rest regeln KG-Leute
Teilnehmerzahlen werden so wiedergegeben: Vorwärts 14.000, Telegraphen-Union 20.000, Mitteldeutscher Sender 30.000, Weimarer Polizeibericht 40.000
In 85 thüringischen Ortschaften liefern sich insgesamt 350 Mannschaften aus dem ganzen Reich Spiele, davon 80 Berlin-Brandenburger

 

 

Reichstreffen Erfurt 1930

"allen Schikanen und Terrormaßnahmen der thüringishen Faschistenregierung und der Sozialfaschisten zum Trotz"
Zusicherung von Frick, dass IGler durch Thüringen fahren dürfen, nur hier und da ein paar Probleme, "Terrormaßnahmen", etwa 8 Chemnitzer für ein paar Stunden verhaftet, paar Provokationen auf der Rückfahrt, ein paar Berliner KJVler festgehalten, vor Naumburg Angriff auf LAstauto mit Leipzigerinnen angegriffen und 14 Sportlerinen verletzt von "Wehrwölfen"

Pfingstsonntag Johannisplatz Stellplatz für 1000 Lastkraftwagen und hunderte Motorräder, angereiste Kommunisten vrteilten sich auf vier inen zugewiesene Stellplätze, von dort Demonstrationen zum Friedrich-Wilhelm-Platz, von vier Seiten, angeblich 40.000 Sportler in ihren Sportlerressen, rote Fahnen und Transparente "Kämpft für die rote Sporteinheit", "Arbeitersportler sind Soldaten der Revolution", "Kampf der Bourgasie und des Faschismus" , alles dank strenger Disziplin und Organisation geklappt, wie üblichg damals bei allen, Aufmarsch über eine Stunde 
IG-Reichsleitung hatte sich mit Erfurter Polizeipräsidenten verständigt, Polizei nur vereinzelt n Knotenpunkten, gegenseitige Absprachen wurden eingehalten, Ordnungsdienste übernahmen die Oppositionellen selbst, alles unfall- und störungsfrei
Gegen 12 Beginn, erster Redner Rochler, IG-RL, Berlin, anschließend "Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" und Fahnen-Manifestationen, nächster Redner Ihring, Hetze gegen "Spaltungsmaßnahmen der reformistishen Bürokratie, für die Einheit derroten Arbeiterorganisationen us.w

Obwohl Thüringens Frick alle kommunistischen Demos verboten hatte, war es zum IG-Reichstreffen möglich, alles weitgehend störungsfrei abzuwickeln, nicht nur in Erfurt, sondern auch in etwa 100 Städten und Dörfern Sportveranstaltungen durchzuführen.

"Die Interssengemeinschaft wird zu einer Kampfgemeinschaft für die rote Sporteinheit."
Rote Sportler bekunden, dass sie ihr Leben für den Sieg der Arbeiterklasse einsetzen.
Dreifaches "Rot Sport!", danach Hauptredner Ernst Thälmann
"Kampf gegen den Young-Plan, Kampf gegen die Kriegspolitik der deutschen Bourgoisie und für die Verteidigung der Sowjetunion, des einzigen Landes, in dem die Arbeitersportbewegung nihct um ihre Rehcte betteln muss, sondern vollste Unterstützung genoießt, zu führen. Den schärfsten Kampf gegen die faschistischen Werksportvereine, gegen die reaktionären bürgerlichen Sportverbände, in denen die Faschisierung und Militarisierung der proletarischen Jugend betrieben wird. Wir müssen alles daran setzen, die Verbürgerlichung und Republikanisierung des Arbeitersports durch die Sozialfaschisten zu verhindern." völlig utopisches Ziel Gewinnung aller Arbeiter, wieder dreifches kräftiges "Rot Sport!"
Danach Rede Genosse Schmidt aus Basel

Tags zuvor Kongress mit 800 Delegierten, Resümee von Aufbautätigkeit seit dem Ausschluss der ersten im Sommer 1928, , KPD Führungsrolle, Genosse Florin, viele phrasengeschwängerte Reden, späterer DDR-Präsident Wilhelm Pieck sprach für RHD

Gerade schweißer (oder Baseler) Kommunisten-Nannschaft in Deutshland, in der KPD- und Rot-Sport-Hochburg Berlin Treffen als "WSchweiz" gegen die Berliner Auswahl 3:0 (2:0) für Berlin, Lichtenberger STadion 3000

Sonntag "Deutschland" - "Schweiz" in Eruft auf dem Johannisplatz, erstes IG-Länderspiel, Deutschland mit Hauer (Weißenfels 93)- Ulrich (Borussia Berlin), Stein (Vorwärts Erfurt) - Fuchs (Borussia Berlin), Lück (Sportfreunde Tempelhof), Weiland (Vorwärts Erfurt) - Claus (Weißenfels 93), Wickel (Schönau), Pinnichen (Weißenfels 93), Bourdis (Schönau), Richter (ASV Erfurt)
1:3 (0:3)

 

 

Rote Heeresschau in Erfurt
 
Zu Pfingsten fand in Erfurt das 1. Reichstreffen der oppositionellen Arbeitersportler statt. Aus Berlin und Umgebung reisten dazu rund 10.000 Sportler an, fast alle per Lastwagen, was am kostengünstigsten war. In 85 thüringischen Ortschaften warben 350 Fußball-Mannschaften aus dem ganzen Reich mit Gesellschaftsspielen für Rot-Sport. Die MSV war mit Dutzenden Fußballteams im Einsatz.
 
Das Treffen begann mit einer Konferenz der IG-Landesleiter. Am Sonnabend wurde im Erfurter Reichshallentheater vor 800 Delegierten der 1. „Kampfkongress der Roten Sportler Deutschlands“ eröffnet. Als prominente Redner traten Wilhelm Florin vom ZK der KPD und Wilhelm Pieck (KPD, Rote Hilfe Deutschland) auf. Ins 14köpfige Präsidium wurden aus Berlin Fritz Kirsch, Alwin Nitschke, Georg Friedmann und Lisa Klinke gewählt. Als großen Erfolg vermeldete man die Zahl von 150.000 Sportlern, die „von der Interessengemeinschaft nicht als eigener Verband, aber als proletarische Kampfgemeinschaft, erfasst sind.“
Als weitere Ziele setzte sich die IG den flächendeckenden Aufbau arbeitsfähiger Landesleitungen, die Zentralisation ihrer Vereine, zahlenmäßiges Wachstum, dies vor allem durch die Gewinnung von mehr Jugend und Frauen, eine Versicherung für alle angeschlossenen Sportler, die Herausgabe einer reichsweiten Zeitung und Kampf  Konkurrenz gegen den Firmen- und Behördensport. 
Der Arbeitersport sah in den Werksportvereinen ausschließlich Einrichtungen zur Profitmaximierung und zur Korrumpierung der Arbeiter, um sie von der proletarischen Bewegung fernhalten. Als Mittel zum Kampf gegen „Werksport und Werksfaschismus“ galt seit dem Erfurter Treffen die Bildung roter Betriebssportgruppen, die in enger Gemeinschaft mit der KPD-nahen Revolutionären Gewerkschaftsorganisation kämpfen sollten.
 
Am Sonntagvormittag marschierten Zehntausende zum Erfurter Domplatz. Die Domtreppe war mit roten Sportlern vollbesetzt, als zur Hauptkundgebung um 12 Uhr der KPD-Vorsitzende Ernst Thälmann sprach. Er nannte als Aufgaben des Arbeitersports den Kampf gegen den Young-Plan, gegen deutsche Kriegspolitik und für die Verteidigung der Sowjetunion, „Den schärfsten Kampf gegen die faschistischen Werksportvereine, gegen die reaktionären bürgerlichen Sportverbände, in denen die Faschisierung und Militarisierung der proletarischen Jugend betrieben wird!“ 
Da die Teilnehmerzahlen von Großveranstaltungen der oppositionellen Arbeitersportler oft unglaubwürdig wirkten, machte die KPD-Presse diesmal folgende Aufstellung: Der sozialdemokratische Vorwärts gab 14.000 Erfurt-Teilnehmer an, die Nachrichtenagentur Telegraphen-Union meldete ihrer 20.000, der Mitteldeutscher Sender erhöhte auf 30.000, und im Weimarer Polizeibericht stand schließlich etwas von 40.000 Teilnehmern, was sich mit den IG-Angaben deckte. 
Der Film zum Reichstreffen, „Rot Sport in Erfurt“, hatte am 25. Juli 1930 im Berliner Kino Babylon seine Uraufführung. Im September benannte sich die Interessengemeinschaft um in Kampfgemeinschaft für rote Sporteinheit, kurz KG.

 

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