"Tragt allerorten unser Bundesabzeichen"

 

"Wer heute aufmerksam in den Vereinen umherschaut, der wird unbedingt die Beobachtung machen, dass es noch viele, leider noch sehr viele Genossen gibt, die es nicht für nötig halten, das Zeichen ihrer Gesinnung, ihr Bundesabzeichen zu tragen. Wenn auch nicht immer als Beweggrund angenommen werden muss, dass diese Genossen sich ihrer Gesinnung schämen oder sich ihre Bewegungsfreiheit sichern wollen, so bedeutet doch das Nichttragen unseres Bundesabzeichens eine Unterlassungssünde, die nicht zu gering eingeschätzt werden darf. Es gibt schlechthin keine Entschuldigung für dieses Versäumnis.

Wir ereifern uns immer, wenn wir Hakenkreuzlern oder Wehrwolf-Jünglingen im Scheine ihrer Abzeichen begegnen. Haben wir dazu ein Recht, wenn wir es fertig bringen, unsere innere Überzeugung so vor der Mitwelt und vor allem vor dem Gegner abzuschließen, dass dieser glauben kann, es mit einem feigen und schwachen Gegner zu tun zu haben?
Müssen wir uns etwa unserer Organisation, unserer Idee und damit unseres Bundesabzeichens schämen? Ist es nicht weit praktischer und unserer Aufgabe dienlicher, immer
 – aber auch immer – das Bundeszeichen am Jackenaufschlag zu zeigen?Können wir dadurch nicht wesentlich dazu beitragen, das Aufgehen der nationalen Sonne zu verhindern?
Das alles sind Fragen, die die Mitglieder, denen das Tragen unseres Bundesabzeichens als eine kleinliche, vielleicht sogar überflüssige Sache erscheinen will, einmal so gewissenhaft prüfen sollten, dass sie eine klare Antwort darauf geben können, die nicht anders lauten kann als: Es stimmt, wir müssen aus der Reserve heraus. Wir müssen allerorten unser Bundesabzeichen aufleuchten lassen, damit seine Farbe, das leuchtende Rot der Freiheit, das Vorhandensein klassenbewussten Denkens und Handelns für seinen Träger bezeugen kann!"
Bremer Freie Sportwoche vom 8. Dezember 1925

 

Anzeige in der "Freien Sport-Woche" vom 20. Januar 1920
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© Christian Wolter