11. August 1929 in Gera

Thüringen gegen England

Seit wenigen Jahren gibt es in England Arbeiterfußball! Erste Vergleiche fielen sehr zugunsten Deutschlands aus. Ostern 1929 zwei deutsche Siege in London. Inzwischen Engländer an Stärke gewonnen und bereisen zum zweiten Male Deutschland.

 

3. 8.   Deutschland – England 4:4 (1:1), Victoria-Platz Hamburg-Hoheluft, 9054
4. 8.   Deutschland – England 0:4 (0:2), ABTS-Kampfbahn, Bremen, 8615
7. 8.   Deutschland – England 1:0 (0:0), Sportplatz Fort I, Magdeburg-Buckau, 8434
10. 8.   Deutschland – England 4:4 (1:1), Vorwärts-Süd-Platz, Leipzig-Connewitz, 7095

 

Spieler kommen aus Vereinen von Regionalligen, haben teilweise aber auch schon höherklassig gespielt.

Torwart McCracken (FC Bexley) spielte schon für Irland gg. England 1928 0:0

Verteidiger L. A. Strects als Kapitän mit FC Southall Sieger im Middlesex-Cup, außerdem Internationaler der Eisenbahner-Auswahl.

J.C. Burnsvom (London Caledonians F.C.) hatte einst in der Liga-Mannschaft von Queens Park Rangers gespielt.

Tom Reate u.a. als Amateur bei Bristol City und zwei Spiele gegen die berühmten Corinthians auf seiner Visitenkarte.

Läufer W. T. Cable (FC Redhill), gewann mit diesem Surrey Senior Pokal 1929, Meister der Athenian League 1925, spielte als Knabe bei West Ham United

Mannschaftsführer und Organisator M. J. Bunjan hatte schon Profispiele als Schiedsrichter geleitet.

 

Thüringer Arbeitersport, 16. August 1929

England gegen Thüringen 1:8 (0:4), Ecken 3:5.

Machtvolle Demonstration für die Arbeitersportbewegung-

5000 Zuschauer finden die Thüringer Mannschaft in geradezu blendender Verfassung. England ist vom Vortage ermüdet.

 

Englische Genossen bereisten und bespielten bereits seit zwei Wochen Deutschland. Hamburg, Bremen, Magdeburg, LeipzigAnkunft in Gera. Am Samstag 12:08 Uhr am Geraer Hauptbahnhof, Mannschaft mit einigen Ersatzleuten und bekannten Vertretern der englischen Arbeiterbewegung, u. a. Mr. Jack Jones, Unterhaus-Abgeordneter der Labour Party und ihr Fraktionsvorsitzender. Mittag im Hotel zum Bären, dort Rede von Sportgenosse Pohle, ATSB-Vorstandsmitglied, dann Empfang durch die Statdverwaltung im Rathaussaal, dieser dazu extra ausgeschmückt, Volkschor Gera sang „Trotz alledem“ und „Unser Lied“. Dann Rede von SPD-Stadtverordnetem Drechsler:

Hinweis, 11. August auch Verfassungstag, 10 Jahre Weimarer Verfassung! Geschichtliche und wirtschaftliche Beduetung Geras, hier auch Gründung SPD und ATSB! Nun friedlicher Kampf gegen einstige Kriegsgegner.

Antwort des englischen Delegationsleiter Bunjan: Danke und Freude über Teilnahme an Verfassungsfeier, seine Mannschaft ist gekommen als Arbeitersportler, Sozialisten und Freunde des Friedens. Zuletzt Lied „Nicht verzagt“.

 

Nächsten Tag im wunderschön gelegenen Sportpark des TV Pforten von 1875, der 1893 zu den Gründungsvereinen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes zählte, Vorspiel der Jugend, 5000 Besucher bei Begrüßung der beiden Auswahlmannschaften, die Arm in Arm den Platz betreten und zum Erinnerungsfoto abwechselnd sich aufstellen, Strauß roter Rosen, alle 5000 Anwesenden rufen ein dreifaches „Frei Heil!“

 

Engländer vom Spiel am Vortag noch ermüdet, deshalb längst nicht so stark wie bei den bisherigen Spielen, dazu eine blendend zusammengestellte Thüringen-Auswahl, die einen Glanztag erwischt hatte sowie ein Gäste-Torwart, der ab und zu zu weit heraus stand, so kam dieses deklassierende Ergebnis zustande. Englischer Sturm opferte sich auf bis zum Ende, starb jedoch an Überkombination.

 

 

Thüringen zuvor sehr gutes Spiel gegen Württemberg, SR Kadner aus Kassel

Zur Pause schon 4:0, und trotzdem glauben vile Zuschauer noch an einen Sieg für England. In zweiter Halbzeit geht der Lauf der Gastgeber aber weiter, nach dem 6:0 ist das Spiel dann doch entschieden, erst nach dem 7:0 kommen die Engländer zu ihrem Ehretor und mit dem Schlusspfiff fällt noch das 8:1 für Thüringen!

 

 

„Dritte Halbzeit“ als intimer Gesellschaftabend beider Mannschaften, wo die Engländer sich als sehr gute Sangesknaben präsentierten und beeindruckten. Montag vormittag Stadtrundfahrt mit großem Omnibus, Engländern gefiel das sehr gut, u.a. Heimvolk-Hochschule Tinz, städtisches Krankenhaus, Mittagessen im Waldhaus. Dann Abschied und Heimreise.

 

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© Christian Wolter

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