Arbeiterfußball-WM 1934

 

Hierzulande kaum bekannt ist die Tatsache, dass 1934 eine Arbeiterfußball-WM ausgespielt worden ist. Wohl deshalb, weil diese Episode nach dem Ende des deutschen Arbeitersports stattfand und auch keine Wiederholung erfuhr.

Anlass des zum "Coupe du Monde de Football Ouvrier" erklärten Arbeiter-Fußballturniers war die "Internationale Sport-Ralley" in Paris vom 11. bis 15. August 1934, ausgerichtet vom kommunistischen französischen Arbeitersport-Verband FST und der kommunistischen Roten Sport-Internationale mit Sitz in Moskau.

 

 

Am kommunistischen Gegenentwurf in Paris nahmen vor allem Mannschaften teil, die der kommunistischen Roten Sport-Internationale angehörten, und wohl nur die Mannschaft von Norwegen war in der "feindlichen" Sozialistischen Arbeitersport-Internationale erfasst.

Im Unterschied zu "echten" Fußball-Weltcups bot dieser noch ein umfangreiches Beiprogramm mit Spielen von 50 Arbeitermannschaften verschiedener Länder und Darbeitungen aus anderen Sportdisziplinen. Außerdem starteten mit Elsass-Lothringen und dem Saarland geografische Gebilde, denen die FIFA kein eigenes WM-Mandat zugestanden hätte.

Die Bezeichnung "Weltpokal" für ein Turnier mit Regional-Auswahlen mag leicht anmaßend gewirkt haben. Die gute Absicht dahinter war aber die eines antifaschistischen Gegenentwurfs zur einige Wochen vorher in Italien durchgeführten 2. FIFA-WM. Diese war als erstes Sportereignis von Weltrang von einem totalitären Gastgeber propagandistisch vereinnahmt worden. 

 

 

Nun zum Turnierplan. Wie Ihr seht, fehlen uns leider noch die Resultate der Gruppenspiele und die Zuschauerzahlen. Über Eure Ergänzungen würden wir uns daher wie immer sehr freuen.

 

Gruppeneinteilung und Spielorte laut Turnierplan

  • Gruppe A, Stade Municipal d'Clichy: Sowjetunion, Schweiz, USA (Sowjetunion – Schweiz 11:0)
  • Gruppe B, Stade de l'Unite Saint Denis: England, Schweden, Elsass-Lothringen
  • Gruppe C, Stade Municipal d'Ivry: Holland, Norwegen, Frankreich
  • Gruppe D, Stade de Champigny (route de Villiers): Saarland, Tschechoslowakei, Spanien

Vorrundenspiele

  • Sowjetunion – Schweiz 11:0 (4:0)
  • Elsass-Lothringen – Frankreich 6:0 (3:0)
  • Spanien – Tschechoslowakei 3:1 (1:0)
  • Norwegen – Niederlande nicht ausgetragen, da die Niederlande zu spät anreisten

Halbfinale 

  • 12. August, Stade Pershing, Anpfiff 17 Uhr: Norwegen – Spanien 13:0 (5:0)
  • 13. August, Stade Pershing, Anpfiff 18 Uhr: Sowjetunion – Elsass-Lothringen 15:0 (7:0)

Finale

  • 14. August, Velodrom Buffalo in Montrouge: Sowjetunion – Norwegen 3:0 (2:0)

Kader der Sowjetunion: Ivanow, Fokin, Yakouchin, Illin, André Starostin, Lapschin, Semionow, Leouta, Nikolas Starosin, Ceterine, Korotow, Alexander Starosin, Nikichin, Rijow, Niakow

Kader Norwegens: Hugo Karlsen, Lars Martinsen, Odd Fjeld, Age Sorensen, Engen Svendsen, Wilhelm Olsen, Hjalmar Sorensen, Sigurd Hoidahl, Olav Navestad, Alf Martinsen, Paul Kristensen

 

 

Der Favorit Sowjetunion errang also den nur einmal vergebenen Titel des Arbeiterfußball-Welmeisters! Allerdings sind diese WM-Spiele nicht einmal als inoffizielle Spiele der UdSSR-Auswahl gelistet, da es sich wohl mehr um eine Moskauer Auswahl gehandelt hatte.

Für 1936 dachte die Rote Sport-Internationale eine Neuauflage der Arbeiter-WM in Moskau an. Aus uns noch nicht bekannten Gründen kam es leider nicht dazu.

 

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Quellen:

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© Christian Wolter